Aufstehen wie ein Navy Seal

Bin ich ein Frühaufsteher? Ein Selbstversuch.
Ich habe auf Youtube ein paar Videos zum Thema früh, sehr früh aufstehen und dem Thema Routinen mit u.a. Jocko Willink gesehen und mir gedacht: Das starte ich mal als Selbstversuch!
Hintergrund ist der, dass ich mehr und mehr merke, dass ich Abends einfach platt bin und nach der Arbeit nicht mehr viel schaffe. Mein Gehirn einfach erschöpft ist, unkreativ.
Ich hoffe das ändernt sich nun und die Kreativität kommt in den Morgenstunden.
Außerdem möchte ich den Tag ruhiger, nachdenklicher, frischer angehen.
Morgen startet Tag 1, um 4:30 Uhr – und heute geht's um 22 Uhr ins Bett.
Frühaufsteher: Tag 1

Der Wecker stand auf 4:30 Uhr. Meine Uhr weckte mich mit einem leichten Vibrieren, ich war bereits im Halbschlaf, also fast wach, drückte aber den \"Aus\"-Schalter….
5:30 Uhr: ich werde mit einem Ruck wach. Verdammt, aber hey es ist okay. Es ist der erste Morgen und dafür ist 5:30 Uhr, auch in Ordnung.
Augen auf!
Zehn Minuten später sitze ich auf der Bettkante und fange an diesen Text zu schreiben.
Ich fühle mich, trotz der frühen Stunde, fit. Bin gespannt wie der Tag wird und freue mich jetzt schon auf das geplante Baden in der Ostsee.
5:50 Uhr: Noch herrscht ein wenig Planlosigkeit, was man mit der gewonnenen Zeit am Morgen macht. Ich hatte gelesen, dass das Gehirn zu dieser frühen Stunde viel mehr aufnehmen kann, noch mehr Kapazitäten hat und es entscheidend ist, was man die ersten Stunden des Tages macht, ließt, aufnimmt. Aus diesem Grund ist mein Plan, nach dem Sport direkt zu Lesen, jeden Morgen ein wenig. Für 30-60 Minuten. (Nebenher kann und darf man den Versuch weiter dokumentieren.) Dazu gibt es den ersten Kaffee des Tages. Anschließend geht es duschen, Frühstücken und dann aus dem Haus, ins Büro. Geplant ist dies für 7:30 Uhr.
6:00 Uhr: Kaffee Nummer 2.
Rückblick
Im letzten Jahr hatte ich, bedingt durch einen Kunden, bei dem ich vor Ort tätig war, eine ähnliche Routine. Der Kunde saß ca. 35km entfernt, mein Arbeitsweg mit dem Auto dauerte, aufgrund des hohen Verkehrsaufkommens, ca. 45 Minuten. Meine Routine dort war es, jeden Morgen um 6:30 aufzustehen, Duschen zu gehen, evtl. noch Frau und Kind guten Morgen sagen und meist mit Kaffee in der Hand, ohne Frühstück gegen 7:30 Uhr aus dem Haus zu gehen. Oft kam man nur schlecht aus dem Bett, was aber auch an meiner damaligen physischen Verfassung und dem schlechten Schlaf lag. Viel Zeit hatte man in der Routine nicht, oft fühlte man sich gestresst schon bevor man im geliebten Bulli saß. Auch das ist ein Punkt, den ich mit diesem Test optimieren möchte. Mehr Zeit, mehr Ruhe am frühen Morgen.
Im hier und jetzt
Draußen ist es Dunkel, schwarz, Sonnenaufgang ist heute um 8:24 Uhr. Der Rest der Welt (in meiner Zeitzone) mehr oder weniger noch schläft (6:26 Uhr, der Nachbar läuft mit dem Hund durch das Treppenhaus, Gassi gehen).
6:50 Uhr: Kaffee Nummer 2. Der Nachbar rasiert sich, man hört die Klingen des Nassrasierers beim Ausklopfen im Waschbecken klingen. Ein gewohntes Geräusch, wie damals, als ich noch kleiner war, zu Hause wohnte und mein Vater derjenige war, der früher als alle anderen aufstand. Jeden Morgen um 6 Uhr. Seine Routine war: Rasieren, Duschen, nach unten in die Küche gehen, in Ruhe frühstücken, Zeitung lesen, Kaffee trinken. Gegen 6:45 Uhr weckte er dann immer meinen Bruder und mich, damit wir rechtzeitig zur Schule kamen. Gegen 7:40 Uhr verließen wir gemeinsam das Haus. Er fuhr in sein Büro, wir gingen zur Schule. Meine Mutter schlief zu dem Zeitpunkt noch, sie war eher die Eule, während wir, mein Bruder und ich, zu Lerchen erzogen wurden bzw. als Kinder von Natur aus welche sind. Geborene Frühaufsteher sozusagen (Side Note: Scheinbar gibt es mittlerweile mehr als nur Eulen und Lerchen #Schlaftypen).

08:30 Uhr: Im Office, Kaffee, To Do's für den Tag / Job als Arbeitnehmer planen. Loslegen, erste Telkos.
11:00 Uhr: Frühstück. Es gibt Soja-Yoghurt mit Müsli und Blaubeeren.
17:30 Uhr: Feierabend und Mittagessen. Es gibt Fischbrötchen.
18:00 Uhr: Ein Bad in der ca. 15 Grad kalten Ostsee für knapp 7 Minuten.
19:36 Uhr: Sonnenuntergang.
22:00 Uhr: Ab ins Bett. Wecker für Morgen steht auf 4:30 Uhr.
Einen ähnlichen Versuch hat eine Journalistin von Business Insider Mitte 2018 gemacht:
Fast Forward: Tag 16
Zwei Wochen sind vorbei, zwei Wochen lang habe ich das Experiment an manchen Tagen durchgezogen, an manchen nicht. Feststellung für mich ist, es ist kein Problem „so“ früh aufzustehen und man schafft enorm viel. Aber es ist nicht immer praktikabel an allen Tagen.
Letztendlich hängt der Tagesrhythmus zwar primär von einem selbst ab, aber man ist auch oft dazu gezwungen sich an den von seinen Mitmenschen, Kollegen, der Familie zu halten oder sich diesem anzupassen. Ein paar Beispiele: Wenn man z.B. Abends noch eine Veranstaltung hat oder einfach nur aufgrund von anderen Verpflichtungen zu spät ins Bett kommt, dann sollte man nicht auf seine, in meinem Fall 6-7 Stunden Mindestschlaf verzichten. Oder am Wochenende, da darf auch gerne mal morgens länger geschlafen werden, länger primär im Sinne von mehr als 6-7 Stunden, auch wenn man schon um 20 Uhr ins Bett geht.
Jeder kann und darf dieses Experiment für sich durchführen, schauen welche Aufstehzeit für den Einzelnen passt und wie sich dieses in den Wochenrhythmus integrieren lässt.
Das wirklich wichtige ist am Ende: Routinen sind wichtig für jeden von uns, denn Routinen definieren uns [Edit, 16.9.2025: auch wenn nicht jeder Mensch sie braucht]. Sei es das tägliche, frühe Aufstehen, das im Meer baden oder immer um 13 Uhr zu Mittag essen.
„Ich las letzt irgendwo diesen Satz und denke, dass er es auf den Punkt bringt: „Routinen sind Korsett und Zwangsjacke zu gleich”. Sie helfen uns, können uns aber auch aufhalten. Zeit die negativen Routinen zu durchbrechen 🙂